da er zur freien Verfügung gestellt wurde

Triggerwarnung: Emotional (Keine Satire)
Es ist der eine, der nicht mehr aus dem Kopf geht.

„Warum hast du mich nicht gerettet?“ Leere Augen, die starren, und er sitzt dort, wie jeden Abend, am Fußende. Er kommt dann, wenn die Ruhe einkehrt und nur noch das Ticken der Wanduhr den Raum erfüllt. Er kommt dann, wenn der Stress geht, schleicht sich ins Zimmer, und wenn die unruhigen Augen sich öffnen, dann sitzt er bereits dort. Ein blasser Schatten, der Wache hält. Ein Mahnmal, kein Freund, eine Bürde, die nur der Träger ablegen kann, wenn er sich selbst verzeiht.
„Ich kann nicht alle retten…“

Man verbringt Jahre damit, den Menschen zu erlernen: seine Anatomie, seine Krankheiten, Laborwerte, wie man ein Röntgenbild liest. Doch es gibt Dinge, die kann dir niemand beibringen. Du erlernst sie oder du scheiterst. Vielleicht flüchtest du, oder versuchst es zumindest. Aber eines kann ich dir verraten: Sie sind immer schneller. Und wenn du glaubst, dass du sie abgehängt hast, dann warten sie an der nächsten Ecke auf dich. Verleugnen, ignorieren – und irgendwann findest du dich hoch oben wieder. Ein kleiner Stoß, und das Gefühl von Freiheit im Flug…

Das Atemgerät drückt, das Ausatmen gegen den Überdruck fällt immer schwerer. Hitze und Rauch umschließen dich. Langsames Vortasten, wie du es in der Ausbildung gelernt hast. Aufsteigende Panik. Du hast etwas Weiches gefunden. Keine Bewegung. Du umschließt den kleinen Körper mit deinen Armen, und alles in dir schreit: „Raus, sofort, jede Sekunde zählt…“
Was bleibt, ist der Blick in den Spiegel: „Ich habe alles getan, was ich konnte…“ Nur dein Spiegelbild wird dir verraten, ob du dir selbst glaubst, wenn du dir in die Augen schaust.

Ein letzter Blick in den Spind. Das Bild der Familie. Einen Kuss gehaucht. Bis später. Ein kontrollierender Blick auf die Dienstwaffe. Polizist. Ein Repräsentant. Mama war sehr stolz, als du ihr das erste Mal die Uniform präsentiert hast. Keiner hat dir vorher verraten, in welche Abgründe du blicken würdest. Bespuckt und mit Steinen beworfen. Der blanke Hass in den Augen der anderen. Dabei wolltest du die Welt nur ein wenig sicherer machen.
Die eine Frau, bei der du am Vorabend schon gerufen wurdest, aber nichts machen konntest, weil sie nicht mit wollte. Die Sanitäter packen gerade den Defi weg, während der Arzt den Tod bescheinigt. Er liegt auf dem Boden und lacht, zu betrunken, um zu realisieren, was er getan hat. Du nicht. Du siehst alles. Du realisierst, dass die Hölle schon lange ein Teil dieser Welt ist und die Dämonen um uns tanzen.

Jetzt sitzt du im Bett. Sie starren dich an und du starrst zurück. Keiner spricht, und doch hörst du ihre Anklage:
„Warum hast du mich nicht gerettet?“

Wie viele von ihnen bekommen heute Nacht wieder Besuch am Fußende ihres Bettes – während wir ruhig schlafen?

Gruß an alle Lesewesen. Bleibt gesund.
Euer Tim

UnsichtbareNarben

HinterDerUniform

PTBS

WirSehenEuch

DankeEinsatzkräften

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