Tag 0 – Beginn einer Besichtigung

Ich sprang aus dem Bett, jedoch so schnell, dass mein Bediensteter erschrocken zurücktaumelte. Wenn ich ganz ehrlich bin, bereitet mir die Tatsache, dass ich hier bin, immer noch große Furcht. Die Mechanik dahinter verstehe ich noch nicht, und das bereitet mir momentan wohl die größten Sorgen.

„Ich bin gespannt, wie die Burgen, die in meinem Besitz sind, aussehen. Lass uns gehen!“, rief ich ihm zu, während ich aufsprang. Er nickte und nickte und nickte. Ich dachte, er würde nie aufhören zu nicken.

Dann jedoch drehte er sich um und bedeutete mir zu folgen. Er erklärte mir alles, allen Leuten, denen ich begegnete, grüßten mich respektvoll und machten vor mir einen Knicks. Ich bin mir noch immer nicht sicher, welchen Titel ich hier gerade trage, aber es scheint ein sehr angesehener Titel zu sein.

Während er mir alles zeigte, klingelte es auf einmal in meinen Ohren, und vor meinen Augen erschien ein Text: „Sie haben eine Burg erobert.“ Zunächst ließ ich mir nichts anmerken, denn muss sagen, das war schon irgendwie cool.

Tag 0: Herausfinden, wer ich bin

„Verzeih mir, aber ich muss ehrlich sein, ich habe deinen Namen vergessen!“ sagte ich zu ihm, nachdem ich die Karte genau angeschaut hatte.

„Das ist kein Wunder, entweder du kennst meinen Namen nicht oder du hast ihn vergessen. Ich habe keinen Namen. Ich bin ein Findelkind. Obwohl ich hier am Hofer groß geworden bin, hat mir niemand einen gegeben!“ erwiderte er ziemlich gelassen, was mich überraschte.

Das war tatsächlich eine der wenigen Dinge, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Sollte ich? Auch wenn ich gerade erst hier angekommen bin, scheine ich doch eine gewisse Macht zu besitzen, nicht nur die Frage zu stellen, wer vor mir steht, sondern wer ich hier bin.

Okay, eigentlich sollte ich mich jetzt darum kümmern, diesem Mann einen Namen zu geben, auch wenn er nicht von mir sein wird. Was soll’s?

Danach kann ich darüber nachdenken, wer ich bin, beziehungsweise welchen Körper ich hier habe.

„Du heißt ab jetzt Norick!“ platzte es aus mir heraus. „Der Name gefällt dir.“

Norick sah mich verwundert an, bedankte sich bei mir, und während er sich bedankte, fiel das Wort „Herrscher“ so oft, dass ich glauben musste, dass ich hier bin. Der Herrscher… die Frage ist nur, welchen Titel trage ich hier eigentlich? Aber das werde ich zu einem späteren Zeitpunkt herausfinden.

Tag 0: Ich bin wirklich hier

Die Karte, die er mir zeigte, sah genauso aus wie in dem Spiel. Ich befürchte, ich bin wirklich in ein Spiel gesprungen, aber wie und warum, das bleibt ein Rätsel. Aber auch dies würde ich irgendwann noch herausfinden. Er, der Mann, genauer gesagt mein Untertan, begann mir zu erklären, was ich sah.

„Die zwei markierten Burgen sind euer mein Herr und die drum herum liegenden Burgen beziehungsweise die drum herum liegenden Eden Länder gehören dazu. Die Burgen müsst ihr so schnell wie möglich ausbauen, nicht nur neue Burgen erobern, sondern auch die bereits euch zugewiesenen Burgen verbessern!“

Dies ist alles meins, dachte ich. Bei mir beziehungsweise, nun ja, sind wir mal ganz ehrlich, lässt grüßen, sprach mein innerer Gollum. Anders kann ich diesen Gedanken nicht erklären. Die Wälder, die auf dieser Karte eingezeichnet waren, wollte ich genauso erkunden wie meine andere Burg. Aber zunächst musste ich das Dringlichste klären. Wie zur Hölle bin ich hier hingekommen? Ich hoffe, für diese Frage habe ich nun Zeit, wobei der Ausdruck des Mannes, der mir soeben alles auf der Karte zeigte, etwas anderes vermuten ließ.

Ich hatte so viele Fragen und wusste nicht genau, wo ich anfangen sollte. Doch ich wusste es. Ich musste erst einmal herausfinden, mit wem ich hier sprach.

Tag 0: Das kommt mir doch bekannt vor

Als ich erkannte, was er in der Hand hielt, hätte ich beinahe laut gelacht. Dieser Mann hat tatsächlich eine Karte geholt, weil er daran wahrscheinlich wirklich glaubt. Ich wäre verwirrt oder verrückt oder beides! Aber eines muss ich diesem Kerl lassen: Er nahm meine Bitte verdammt ernst, sonst hätte er die Karte nicht geholt, denke ich zumindest. Es könnte auch einen anderen Grund dafür geben, den ich nicht kenne, aber ich hoffe, er nimmt mich ernst.

Mit akribischer Sorgfalt faltete er die Karte aus, als würde sie sonst zu Staub zerfallen. Ehrlich gesagt sah dieses Blatt, das er da hielt, sehr alt aus. Aber was weiß ich schon über solche Karten? In meiner Zeit gibt es Smartphones mit Navigationssystemen. Das wird hier wohl nicht der Fall sein.

Das Bild zeigt eine gezeichnete Burg mit der Beschriftung Außenposten eins und einer Piratenflagge

Er reichte mir die Karte und als ich die kunstvoll eingezeichneten Burgen sah, musste ich zugeben, dass die Namen unter den Zeichnungen mir bekannt vorkamen. Verdammt, diese Bezeichnungen kannte ich aus einem Spiel, das ich kurz vor dem Einschlafen wieder aufgenommen hatte: Lords and Nights.

Jetzt hoffe ich wirklich, dass ich eingeschlafen war und dies nur ein Traum ist, denn sonst wäre ich in ein Spiel gesprungen. Zugegebenermaßen ein wirklich gutes Spiel, aber aus der Perspektive, in der ich mich jetzt befinde, war es eigentlich nicht meine bevorzugte Art, das Spiel zu spielen. Doch damit sollte ich mich beschäftigen, nachdem er meine Fragen beantwortet hatte.

Er deutete stumm auf die Karte, genauer gesagt auf die Illustration der Burg, unter der das Wort „Zentrum“ stand, mit einer kleinen Piratenflagge am Ende. Dann auf die Zeichnung einer Burg, auf der der Name „Außenposten 1“ stand, ebenfalls mit einer Piratenflagge, und da ahnte ich, was geschehen sein musste. Obwohl ich es immer noch nicht recht glauben konnte, erwartete ich, dass er mir in Kürze seine Beweggründe erklären würde.

Tag 0: Das kann nicht wahr sein!

„Nun ja, Herr, sie sind in Ihrem Schlafzimmer! Oder meinen Sie etwas anderes und ich habe Sie nur missverstanden?“, kam als Erwiderung von diesem Mann, und ich wollte es nicht wahrhaben.

Ich wollte einfach nicht wahrhaben, dass ich jetzt anscheinend im Mittelalter gelandet bin. Aber genau genommen hat er mich nicht missverstanden. Ich meinte nicht nur das Zimmer, sondern eigentlich meinte ich so viel mehr – das Zimmer, das Haus oder die Burg und in welchem Land ich mich befinde.

Wie sollte ich ihm begreiflich machen, was ich eigentlich meinte, ohne gleich als total verrückt oder total vergesslich dazustehen? Die Sprache änderte sich schon weiter: „Herr, habe ich euch nun missverstanden?“

Oh Mann, das wird schwieriger, als ich gedacht habe, diesem Mann begreiflich zu machen, was mein Problem gerade ist. Mir wäre es zwar fast nicht aufgefallen, aber der Wechsel von einem modernen „Sie“ zu einem mittelalterlichen „euch“ brachte mich komplett aus dem Tritt, beziehungsweise fragte ich mich, ob ich das alles nur träumte.

Doch während ich noch grübelte, ob ich dies hier alles nur träumte, fing ich langsam an zu sprechen: „Nein, zumindest nicht wirklich. Ich meinte zwar auch dieses Zimmer hier, aber vor allem meinte ich eigentlich alles. Also, in welchem Zimmer ich bin, welches Haus oder welche Burg dies hier ist, in welchem Land ich mich befinde und nicht zuletzt, in welchem Jahr wir uns befinden!“, sagte ich und schloss meinen Mund. Der Mann schaute mich ungläubig und fragend an.

Auf diesem Bild ist eine Burg zu sehen, umgeben von Bäumen und drunter steht der Schriftzugzentrum und dahinter eine kleine Piratenflagge

Bevor ich noch etwas sagen konnte, veränderte sich sein Ausdruck erneut. Er zog kurz die Augenbrauen hoch, nickte mir dann kurz zu, drehte sich um und verließ das Zimmer – also anscheinend mein Schlafzimmer, was mich nur noch mehr aus dem Konzept brachte. Wenn ich nicht schon verwirrt wäre, wäre ich es spätestens jetzt, oder wie man 2025 sagen würde, selbst die Verwirrung ist verwirrt.

Was sollte ich nun tun?! Bevor ich das jedoch beantworten konnte, kam der Mann wieder zurück, und er hatte etwas in der Hand.

Fortsetzung folgt

Hier geht’s zum ersten Teil

Tag 0 nach dem Erwachen

„Scheiße, ich bin auf der Couch eingeschlafen!“ ermittle ich mit diesem Ausruf. Jedoch finde ich mich nicht an dem erwarteten Ort wieder – meiner eigenen Couch – sondern in einem prunkvollen Bett! Offensichtlich befinde ich mich auch nicht in meinem Wohnzimmer; das war klar. Doch wo genau ich mich befinde, ist mir ein Rätsel.

Es sieht aus wie ein Schlafzimmer, aber nicht meines, sondern das eines Königs aus dem Mittelalter, königswürdig genau genommen.

Ich habe keine Ahnung, wo ich bin oder in welcher Zeit. Das ist verdammt gruselig. Oder besser gesagt, nicht nur gruselig, sondern auch äußerst merkwürdig. Gerade eben lag ich noch auf der Couch, und nun scheine ich im Mittelalter gelandet zu sein. Das überfordert mich auf gewisse Weise!

Das Bild im Comicstil gehalten, ein sehr edles Schlafzimmer, wo ein Mann gerade wach wird und über seinem Kopf ist eine Sprechblase Scheiße das ist nicht meine Couch

Offenbar hat mein vorheriger Ausruf, den ich abgesondert habe, jemanden erreicht – oder ich habe ihn laut genug ausgestoßen, so dass die Person, die jetzt in mein Zimmer stürmte, ihn mitbekommen musste!

„Herr?“, sagte beziehungsweise fragte er, zumindest schien es eine Frage zu sein – oder vielleicht ein Ausruf des Unglaubens, da bin ich mir nicht ganz sicher.

„Wo bin ich?“, fragte ich und wies mit meinem Zeigefinger auf die Umgebung. Ich nahm an, dass der Mann vor mir verstand, was ich meinte, aber man kann nie sicher genug sein!

Fortsetzung folgt